cover
Autor Emanuele Ornella
Verlag Mind the Move
erschienen 2005
Spielerzahl 2-5
Spielzeit 75 Minuten

Il Principe

rezensiert von Walter Sorger

Vielleicht sollten wir Emanuele Ornella einmal fragen, was er sich bei seiner Titelschöpfung gedacht hat, denn die nahe liegenden Assoziationen treffen hier nicht zu: Es geht nicht um Intrigen an Fürstenhöfen, es geht nicht um Dynastien und ihre Machtansprüche, es geht schlichtweg um Wirtschaft und Handel, allerdings von der aller feinsten Sorte. Aus drei elementaren Grundzutaten hat Ornella hat eine wohlabgestimmte neue Spiel-Komposition geschaffen:

  1. Geld
    dient zum Erwerben und Ersteigern von Spielmaterial, ist aber weniger ein Betriebsmittel, als vielmehr ein Tie-Breaker, mit dem die Spieler ihre Präferenzen im Wettstreit gegeneinander durchsetzen.

  2. Karten
    sind der Motor des Spieles. Es gibt sie in 5 verschiedenen Farben, aber im Prinzip haben alle die gleiche Bedeutung: mit den Karten kann und muß der Spieler seine klugen Entscheidungen treffen.


    Städte bringen sofortige Siegpunkte ein. Außerdem darf man nach dem Bau einer Stadt in die umlegenden Provinzen ein oder zwei Einflussmarker legen.

    Allerdings dürfen mit den Städten auch die Mitspieler punkten: Für jede "Rolle" in den Farben der Stadt muss man ihnen 1 oder 2 Siegpunkte zugestehen.

  3. Einflussmarker (Wappen)
    werden beim Städtebau vergeben. Auch einzelne "Rollen" erlauben das Legen von Einflussmarkern auf das Spielbrett. In der Schlussabrechung werden die Mehrheiten an Einflussmarkern in den verschiedenen Provinzen nochmals in eine erhebliche Menge an Siegpunkte umgesetzt.

Diese Mechanismen und Abhängigkeiten innerhalb von "Il Principe" sind in der folgenden Grafik dargestellt:

Es gibt eine weitere Reihe von originellen oder bewährten Spielregeln, die Ornella gekonnt in sein Spiel eingebaut hat:

"Il Principe" ist nicht kompliziert. Die einzelnen Handlungsmöglichkeiten sind leicht zu verstehen, zu merken und zu praktizieren, auch wenn die inneren Querbeziehungen sehr vielfältig und ihre Auswirkungen auf Sieg oder Niederlage nicht immer eindeutig vorhersehbar sind. Wir spielen aber nicht gegen die Spielregeln, sondern wir spielen gegen die Strategien der Mitspieler, und das ist immer ein Zeichen eines guten Spieldesigns.

Dass Ornella seine Geschichte in Oberitalien zur Renaissancezeit angesiedelt hat, darauf gibt der Titel vielleicht doch einen Hinweis. Sogar das geographische Zentrum des Geschehens lässt sich genau erraten: natürlich, es ist Florenz. Rom fehlt gänzlich auf der Landkarte des Spielbrettes, Venedig und Mailand sind nur nördliche Außenposten. Andernfalls wäre das Spiel sicherlich "Il Doge" oder gar "Il Duce" genannt worden. Lieber Ornella, Italien ist groß! Es gibt noch viel zu tun.

Kommentare lesen/eingeben

2006, Westpark Gamers