Autor Klaus Teuber
Verlag Kosmos
erschienen 1996
Spieler 2
Spieldauer 70 Minuten

Die Siedler von Catan

Das Kartenspiel für zwei Spieler

Das Brettspiel "Die Siedler von Catan" ist einer der größten kommerziellen Erfolge auf dem Spielmarkt. Wir mögen es nicht allzu sehr. Bei gleich guten Spielern ist zumeist schon nach der Aufbauphase klar, wer sich gegenseitig ins Gehege kommen wird (und chancenlos ist) und wer Platz zum Ausbauen hat (und gewinnen wird). Die Beliebtheit des Spiels dürfte sich unter anderem aus seiner Friedfertigkeit erklären. Was man einmal gebaut hat, das reißt einem keiner mehr ein. Jeder baut selbstständig vor sich hin, die Interaktion ist konstruktiv (abgesehen vom berühmten Räuber-Umsetzen).

Für die Kartenspiel-Umsetzung gilt in mehrerer Hinsicht das Gegenteil. Erstens gehört dieses Spiel zu unseren Lieblings-2PS. Zweitens ist die Interaktion praktisch stets destruktiv (Gebäude abreißen, Ritter verschwinden lassen, Rohstoffe plündern ...). Damit wären auch schon beim größten Manko: Das Siedler-Kartenspiel kann frustrierend sein. Es ist nicht schön, in Rückstand zu geraten und dann noch vom Stärkeren um die letzten Rohstoffe bestohlen zu werden. Zum Glück ist dies bei gleich starken Spielern nicht die Regel: Wenn beide Spieler halbwegs gleiches Karten- und Würfelglück haben, halten sich auch die gegenseitigen Grausamkeiten die Waage.

Aber ich habe vorgegriffen. Im Siedler-Kartenspiel bauen die beiden Spieler Reiche auf, die aus Siedlungen/Städten, Landschaften und Ausbauten bestehen. Gewonnen hat, wer 12 oder 13 Siegpunkte (je nach Variante) erreicht hat. Siegpunkte gibt es für Siedlungen (je 1), Städte (je 2), bestimmte Ausbauten (je 1, für den "Koloss von Catan" sogar 2) und die Mehrheit an Ritter- bzw. Wirtschaftsmacht (je 1).

Jede Landschaftskarte hat eine Würfelzahl. Wird diese Zahl gewürfelt (ein entsprechender Wurf leitet jeden Zug ein), produziert sie. Ausbaukarten werden mit solchen Produkten gekauft und haben eine Spezialeigenschaften: So wird in angrenzenden Landschaften mehr produziert, oder das Tauschen wird billiger, oder man kann mehr Handkarten haben, oder die Stadt ist vor bestimmten Katastrophen geschützt usw. usf.

Entscheidend für erfolgreiches Spielen ist eine funktionierende Kombination sich gegenseitig ergänzender Ausbauten. Hier führen - wie es sich für ein funktionierendes Spiel gehört - verschiedene Strategien zum Erfolg. Dieses Element lässt sich sehr mit San Juan und auch St. Petersburg vergleichen (die aber natürlich beide deutlich jünger als das Siedler-Kartenspiel sind, versteht sich). Der hohe Wiederspielwert des Siedler-Kartenspiels ergibt sich aus dem Wunsch, verschiedene Kartenstrategien durchzuprobieren (oder nachzuweisen, dass der eigene Plan perfekt war und nur von den Würfeln kaputt gemacht wurde).

Catan - Das Kartenspiel

Die verschiedenartigen Ausbauten bereiten ja geradezu intrinsisch das Expansion-Set vor. Nun ist das Spiel bekanntlich von Klaus Teuber, und so gibt es nicht ein, sondern sechs Erweiterungen. In den Erweiterungen werden zudem zwei verschiedene Spieltypen beschrieben, das "erweiterte Basisspiel" (also das normale Spiel, ergänzt um die Zusatzkarten) und das so genannte "Turnierspiel" (wozu jeder Spieler ein komplettes, eigenes Basisspiel braucht - auch das eine echte Teuber-Idee).

Die sechs Erweiterungen werden mittlerweile in Form zweier Kosmos "Spiele für Zwei"-Kartons verkauft. Wir haben alle Erweiterungen jeweils mehrfach gespielt. Sie funktionieren allesamt ganz gut, aber manche natürlich besser als andere. In unseren Augen funktioniert eine Erweiterung dann gut, wenn sie eine echte Spiel-Alternative darstellt, balanciert ist und eventuell auch noch Flair hat.

1. Themen-Sets für Magier & Forscher

Handel & Wandel: Betont vor allem den Handel (d. h. Mühlensymbole). Allerdings kommt man normalerweise mit Basiskarten weiter. Insgesamt weniger gut.

Wissenschaft & Fortschritt: Akzent auf Universitäten und Ritter. Interessante Zusatzkarten, gute Erweiterung.

Zauberer & Drachen: Einschneidenste Erweiterung mit vielen Zusatzregeln. Funktioniert aber extrem gut mit wirklich neuem Spielgefühl. Beste Erweiterung überhaupt.

2. Themen-Sets für Kämpfer und Kaufleute

Ritter & Händler: Betont Ritter (Handel dagegen kaum). Macht Spiel aggressiver, da der Besitzer der Ritterübermacht öfters Gebäude einreißen und Landschaften tauschen kann.

Politik & Intrige: Karten stammen aus einem Wettbewerb und sind daher etwas disparat. Insofern gibt es keine kohärente Strategie, die zu diesem Set passen würde. Insgesamt eher weniger gut.

Barbaren & Handelsherren: Umfangreichere Erweiterung mit Zusatzregeln. Interessant ist, dass für kleine Reiche eine neue Siegesstrategie via Triumphbogen geschaffen wird. Da diese andererseits nicht wirklich klappt, ist das ganze Set nicht so toll.

Fazit: Das Siedler-Kartenspiel dauert mehr als eine Stunde. Es gibt kein 2PS dieser Länge, das wir öfter spielen würden. Das liegt daran, dass man viele Taktiken (und übrigens auch Erweiterungssets) durchprobieren kann. Der einzige Haken ist, wie gesagt, dass das Spiel für jemanden, der in echten Rückstand gerät, wirklich frustrierend werden kann. Andererseits haben wir zweimal erlebt, dass auch aus dieser Position heraus noch gewonnen wurde - und dies sind dann die legendären Siege.

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Wertung:

2004, Peter Riedlberger