Spielbericht vom 22.9.2004

Autor: Walter

am Tisch: Günther, Loredana, Peters, Walter

auf dem Tisch: Ursuppe, Saga


Ursuppe box
Autor Doris Matthäus/
Frank Nestel
Verlag Spiele von Doris & Frank
erschienen 1997
Spielerzahl 3 - 4
Spielzeit 2 Stunden

Ursuppe

Über dieses Spiel ist schon viel geschrieben worden. Einhellig sind die Kommentatoren der Meinung, daß das Thema vorzüglich umgesetzt worden ist. Diesem Lob kann ich mich nur anschließen.

Alle Spieler treiben als Spezies von einfachsten Lebewesen in einer "Ursuppe", d.h. in einem Meer von Primitiv-Nahrung herum und ihr ganzer Lebenszweck ist fressen und verdauen. Was die einen ausscheiden stellt die Nahrung der anderen dar. Wer nichts zum Fressen hat, der hungert und stirbt, und zerfällt dabei wieder in Nährstoffe für die Nachwelt. Das ist der ewige Kreislauf des Lebens.

Durch unterschiedlichste Gene, die sich jede Spezies - sprich jeder Spieler - so nach und nach zulegen kann, erwirbst sie sich Sondereigenschaften, die ihre Überlebensfähigkeit im Daseinskampf fördern. Es gibt vier grobe Richtungen von Genen:

Ursuppe board

Meine Lieblingsgene sind "Lebenserwartung" und "Teilungsrate". Damit lebt meine Art ein Drittel länger als die Konkurrenz und die Vermehrung kostet ein Drittel weniger als die meiner Mitlebewesen. Ohne jeden Streß setze ich meine Nachkommen in die Welt und überlasse sie ihrem Schicksal. Es beängstigen mich auch keine bösen Killer-Amöben: Sollen sie meine Kinder doch vernaschen! Er werden schon noch genügend viele überleben, und problemlos kann ich ausreichend neuen Nachwuchs hervorzaubern.

In unserer Runde gewann Günther über seine Beweglichkeit. Er konnte - auch dank ein bißchen Würfelglück -fast immer Felder mit reichlicher Nahrung erreichen und dabei oft genug den begehrlichen Freßambitionen von Peter entkommen. So blieben für den Schwarzen Peter meist nur meine armen Amöben-Waisen zum Fressen übrig. Leider ein paar Mal zu oft.

Ein sehr schönes Spiel, mit sehr viel Liebe und Schmunzeln zum Detail. Für Biologen fast ein Muß. Für aufklärungsfreudige Eltern mit Vorschulkindern auch! Grafik und Ausstattung sind sehr gelungen: klare, solide Holzteile (siehe auch das Interview mit Gláucio Santos dos Reis bei spotlightongames).

Einziger kleiner Nachteil: Wenn Grübler am Werke sind, kann sich die Gen-Auswahlphase schon mal hinziehen. Und die eindeutig beste Besetzung sind genau vier Spieler; eine Zahl, die nicht immer zusammenkommt.

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Westpark Gamers Wertung: 7



Anhang

Liebe Leser, dieser Anhang hat überhaupt nichts mit dem Spiel "Ursuppe" von Doris und Frank zu tun. Bitte verzeiht mir, wenn ich ihn hier hinter den Spielkommentar anfüge.

Oktoberfest UrsuppeOktoberfest Ursuppe

Wenn man am Freitag Abend eingeklemmt im Bierzelt des Hofbräuhauses auf dem Oktoberfest sitzt (oder steht) und noch an seinem Spielbericht über die "Ursuppe" knabbert, dann fallen einem unweigerlich Parallelen zwischen dem (Über-)Leben im Zelt und den Prinzipien der "Ursuppe" ein:

Könnte man aus diesen - und noch viel mehr - höchst originellen Zutaten nicht ein tolles "Oktoberfest"-Spiel zusammenbrauen? Spiel-Designer an die Front! Der Name ist noch nicht vergeben und noch nicht geschützt (die Beispiele wurden unter Verwendung der offiziellen Oktoberfestplakate erstellt). Als Titel in einer Spielwarenabteilung aber sicherlich von einigem Marketing-Vorteil. Zumindest in München.



Autor Wolfgang Kramer/
Horst-Rainer Rösner
Verlag Kosmos
erschienen 2004
Spielerzahl 2 - 4
Spielzeit 60 Minuten

Saga

Bei diesem Kartenspiel erhält jeder Spieler einen gleichen Kartensatz und legt seine Karten reihum einzeln offen auf einen oder mehrere eigene Stapel vor sich ab. Ziel des Ablegens ist es, einen oder mehrere der sechs ausliegenden Kartenstapel zu erobern und damit zu punkten. Ein Kartenstapel ist erobert, wenn die Summe der Kartenpunkte in einem Spieler-Stapel höher ist als die Summe der Kartenpunkte in dem ausliegenden Stapel.

Als Ergebnis der Eroberung wechselt der Stapel den Besitzer. Die Top-Karte des Stapels erhält der Eroberer und legt seine Eroberungskarten dazu. Der frühere Besitzer nimmt alle ursprünglichen Stapelkarten wieder auf die Hand.

So wechselt ein Stapel mehrmals den Besitzer und der Wert der zugehörigen Karten wird dabei immer höher. Es ist mathematisch klar, daß dieses Wechseln irgendwann mal ein Ende hat; schneller sogar, als es nach dem ersten Anschein aussieht, wenn die Stapel noch so munter hin und her gehen.

Sobald ein Spieler keine Karten mehr auf der Hand hat ist Schluß. Gewonnen hat der Spieler, dessen Eroberungskarten in der Summe den höchsten Wert darstellen.

Das Spiel hat mehr Pfiff, als es auf den ersten Blick vermuten läßt. Bei allem Stapel-Erobern darf man nicht übersehen, daß jeder Spieler im Prinzip von Anfang bis Ende den gleichen Kartenstapel behält. Es kommt also darauf an, die Kartenablage so abzulegen, daß sie bei Ende des Spiels in der günstigsten Verteilung plaziert sind.

Jeder Spieler sollte auch nicht nur mit einem einzigen Angriffsstapels operieren, sondern er sollte gleich möglichst viele Angriffsstapel anfangen. Damit vermindert er die Zahl der Restkarten in seiner Hand und hat einen steigenden Einfluß auf das Spielende, das er ja mit seiner letzten Handkarte herbeiführen kann. Durch viele ausliegende Eroberungsstapel bei allen Spielern kann sich die Situation zu einem spannenden Endkampf entwickeln. Dann entscheidet nicht nur Chaos und Willkür, sondern vielleicht sogar eine sehr langfristige kluge Vorausplanung.

Wir haben das Spiel zum ersten Mal gespielt und sind dabei sehr eindimensional vorgegangen. Entsprechend reduziert war unsere Notengebung. Das Spiel hat aber einen neuen Anlauf verdient. Vor allem, wenn wir uns alle mehr Gedanken über eine erfolgreiche Taktik gemacht haben.

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Westpark Gamers Wertung: 4,5

2004, Walter Sorger