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Autor Günter Cornett
Alvydas Jakeliunas
Verlag Phalanx Games
erschienen 2005
Spielerzahl 2-4
Spielzeit 20 Minuten

Packeis am Pol

rezensiert von Walter Sorger

Ein Brettspiel ohne Brett bzw. ein Kartenspiel ohne Karten: Die Spielausstattung besteht aus 60 stabilen Papp-Hexagons, die als Eisschollen zu dicht gepacktem "Packeis am Pol" auf dem blanken Tisch ausgebreitet werden. Die Spielpöppel sind hübsch geformte und bunt bemalte Pinguine, die sich über die Eisschollen bewegen.

Zwei bis vier Spieler besitzen je vier bis zwei Pinguine. Pro Zug bewegen sie einen davon auf gerader Linie beliebig weit über die Eisfläche. Die Pinguine der Mitspieler dürfen dabei nicht übersprungen werden. Nach dem Zug wird die Ausgangs-Eisscholle als Siegpunkt-Prämie kassiert und vom Tisch genommen.

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So wird das Packeis immer löcheriger und der Bewegungsspielraum für die Pinguine wird immer enger. Am Ende sitzt jeder einsam auf seiner letzten Eisscholle und wartet auf die Schlussabrechung. Gewonnen hat der Spieler, dessen abkassierte Eisschollen in Summe die meisten (Siegpunkt-)Fische enthalten.

Natürlich ist der erzielte Fischsegen kein Geschenk des Himmels, sondern muss durch kluge Planung gefördert werden. Es gilt, durch (Pinguin-)Körpereinsatz und Mut zur Lücke für sich ganz allein große Flächen vom Packeis abzutrennen und sie dann in Seelenruhe abzuernten, während die anderen Pinguine schon festsitzen und in ihren letzten Zügen leer ausgehen. Dieses Ziel verfolgt selbstverständlich jeder Mitspieler, und so steckt in jedem Zug eine Menge Angriff und Verteidigung, kurzum die spielerische Interaktion ist allgegenwärtig.

Als 2-Personenspiel mag der reine Denksport in Vordergrund stehen; in dieser Beziehung sollte "Packeis" ohne Fehl und Tadel sein. Beim Mehrpersonenspiel kommen unvermeidlich die Unwägbarkeiten von konkurrierenden Interessenlagen hinzu. Dafür gewinnt hier der spielerische Anteil.

Ein Spiel geht äußerst flott über die Bühne, in wenigen Minuten ist es vorbei. Zum Warming-Up einer Spielrunde ist es ideal geeignet. Und wer seinen Kindern vor dem Schlafengehen noch einen lockeren Spielspaß vergönnen will, liegt mit "Packeis am Pol" garantiert auch richtig. Eigentlich handelt es sich um ein abstraktes Spiel im Sinne der alten Klassiker, wie Mühle, Dame oder Halma, und in traditionellen Spielesammlungen aus Großmutters Zeiten hätte es einen ehrenvollen Platz verdient -wenn es damals schon existiert hätte.

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2005, Westpark Gamers