1. “The Voynich Puzzle”
Das Voynich-Manuskript ist ein mittelalterliches Manuskript in einer unbekannten Schrift von einem unbekannten Verfasser mit unbekanntem Inhalt. Nach wissenschaftlichen Untersuchungen ist es gut 500 Jahre alt. 1912 wurde es wiederentdeckt und seitdem vielfach Ansätzen zu einer Entschlüsselung unterworfen, doch bislang war keiner davon von Erfolg gekrönt. Es ist unklar, ob der Text einen sinnvollen Inhalt transportiert, oder ob sich ein mittelalterlicher Witzbold schlichtweg einen Streich erlaubt hat.
Was soll’s. Der spanische Spieleautor Dani Garcia hat das Rätsel um das Voynich-Manuskript benutzt, um seinem Spiel einen (hoffentlich) zugkräftigen Namen zu geben. Was hat er noch davon benutzt? Die fünf Abteilungen Botanik, Himmelskunde, Gynäkologie, Alchemie und Literatur, in denen wir uns tummeln dürfen, sowie eine Puzzlefläche, die wohl die heutige Wissenschaftsgemeinde darstellen soll, in der wir – jeder für jeden – Puzzles der Entschlüsselung einfügen, und die uns auf dem Weg zum Sieg – jeder für sich – weiterhelfen.
Wir sollten in jeder Abteilung a) Punkte und b) Faktoren sammeln, die am Ende als Summe von Produkten zu unseren unterwegs angehäuften Punkten addiert werden.
Wir agieren mit Wassertropfen, Blättern, Lupen, Aktionstableaus, Puzzles, bauen damit Maschinen und nutzen sie für Kettenzüge, so dass am Ende Günther oder Moritz gewinnen. Alles konstruktiv ohne einen einzigen Heckenschützen. Die Asymmetrie in den Aktionstableaus für die einzelnen Spieler stört doch keinen großen Geist. Wenn das Produkt einen ordentlichen Reifeprozeß via Verlag, Redakteure und Testgruppen durchgemacht hätte, wäre alles garantiert ausbalanciert, bei einem Kickstarter-Produkt muss man hier halt ein Auge zudrücken. Jeder Spieler kann ohnehin nur schwer entziffern, welche Aktionen er gerade durchführen darf und wie sich seine entsprechenden Möglichkeiten entwickeln werden.
Hallo Dani, hast Du schon mal etwas von Kaspar Hauser gehört? Wäre der nicht auch eine Spielerfindung wert?
WPG-Wertung: Aaron: 5 (repetitiv, zu lang, kompliziert (= unnötig komplex), das Material ist eine Katastrophe, mit 16 Pöppeln auf einer einzigen Kramerleiste die Spielstände zu verwalten, ist ein No-Go), Günther: 6, Moritz: 7 (wenn man es gecheckt hat, ist es interessant), Walter: 5 (schöne Arbeit, aber ich bin kein Maschinenbauer).
Ich finde es aber nach wie vor Wahnsinn, wie unklar das alles gestaltet und formuliert ist. So viele Baustellen bei diesem Spiel:
– obskure und eindeutig missverständliche Regeln.
– seltsam umständliches Handling (ich stimme inzwischen Aaron und Günther zu, dass die Karten direkt auszulegen viel effizienter ist als ein Buch zu haben und zusätzlich noch einmal eine Auslage, was super fehleranfällig ist)
– Es fehlt Spielmaterial: in allen Regelvideos gibt es zum Beispiel einen Stein der anzeigen soll (auf dem Brett) welche Aktion man als Letztzes gemacht hat. In meiner Ausgabe gibt es dafür keinen Spielstein, wir haben Mentos benutzt, das darf echt nicht sein, denn dieser Spielstein ist essenziell!
– vollkommen bizarre Grafikentscheidungen – man hätte die schönen Grafiken aus dem Originalbuch ja belassen können, die sind super, aber warum fehlen so viele wichtige Informationen auf dem Brett? Pfeile und Zusammenhänge wären leicht unterzubringen gewesen, bei manchen Aktionstableaus muss man raten, was man eigentlich machen muss.
– absolut katastrophale Farbgestaltung…
– schlechter VP track
Das sind mir ein paar Baustellen zuviel. Ein ähnlich aufwändiges Spiel war das Freud-Analysespiel, das hatte auch viele Icons und unterschiedliche Aktionen, aber da war wenigstens alles klar und verständlich von der Grafik her.
Ich mag das Thema sehr und finde es originell, das Spiel hat auch interessante Elemente, aber wie man all den Rest so versemmeln kann, ist mir ein Rätsel.